Karl Graf
Würzburg, 3. August 2013

Sanierung des Mainfrankentheaters

Stellungnahme zur Sanierung des Theaters (offener Brief)

Einheitliche Meinung des Stadtrats und der Verwaltung ist, dass das Mainfrankentheater renoviert werden soll. Die energetische Bilanz der Glasfassade ist schlecht, Steinplatten der Außenfassade haben sich gelöst, der Kassenbereich erinnert an einen Postschalter der 50er Jahre, die Toiletten sind nicht heutiger Standard. Die Bestuhlung sei durchgesessen sagen manche – die Firma Kieser Training  wirbt in den Publikationen des Theaters mit dem Slogan: „Rückenschmerzen kommen nicht vom Theatersitz“.

Der Kulturreferent, Herr Al Ghusain begründet die umfassende Renovierung mit Erfordernissen des Brandschutzes. Ungeklärt ist hierbei ob Bestandschutz besteht, wenn baulich nichts verändert wird. Unabhängig  davon ist hat die Sicherheit der Besucher höchste Priorität, ein zweiter Fluchtweg  ist wünschenswert.

Wie steht es um die Bühnentechnik? Die Lichttechnik wurde vor einigen Jahren erneuert, sie entspricht den heutigen Standards, die Bühnentechnik ist meiner Meinung nach gut, mit vielen Möglichkeiten und Effekten, die Theaterleitung sagt die Hydraulik sei in sehr schlechtem Zustand.

Vor etwa 6 Jahren bezifferte eine Studie den Renovierungsbedarf auf € 6 -8 Mio. In der Diskussion ist  heute eine weit umfassendere Renovierung:  mit zweiter, gleich großer Probebühne, eine weitere sogenannte 2. Bühne für die Kammer, einen neuen Proberaum für das Orchester, ein Café im Foyer.  Kostenschätzung heute 24 Mio. für das Haus in der Theaterstraße. Im Laufe der Jahre wurde alles nur denkbar Wünschenswerte in die Planung aufgenommen.

Diese Renovierung erfordert 2 Jahre Bauzeit, sagt die Verwaltung. Renovierung ist bei laufendem Betrieb nicht möglich, deshalb ist eine Ausweichspielstätte erforderlich, die Frankenhalle. Und wenn schon eine Ausweichspielstätte eingerichtet wird, dann hätten der Oberbürgermeister und  Herr Al Ghusain gerne künftig eine dauerhafte zweite Spielstätte.

Es wird dem Stadtrat vorgeworfen er treffe keine klaren Entscheidungen, seit vielen Jahren werde um die  Frankenhalle debattiert, jetzt seien wir wieder auf dem Nullpunkt. In der Berichterstattung  ging unter, dass der Stadtrat am 1. Dez. 2011, mit 24:22 Stimmen eine künftige zweite Spielstätte Frankenhalle abgelehnt hat.  Dennoch hält die Verwaltung weiterhin an dem Vorhaben fest und ist nicht bereit aufgezeigte Alternativen (Musikhochschule, Saal in der Bibraschule, weitere Aulen in den Schulen, Kirchen, Theater im Konversionsgelände Hubland) in Erwägung zu ziehen.

Auszug aus dem Stadtratsprotokoll der Sitzung vom 1. Dez. 2012:

Beschluss: -in Abänderung-
Der Punkt 4. „Die Sanierung der Frankenhalle/Viehauktionshalle als Übergangsspielstätte und zukünftige zweite Spielstätte des Mainfranken Theaters wird unter der Maßgabe weiterverfolgt, dass die Gesamtkosten der Sanierung 10,0 Mio. Euro nicht überschreiten und dazu ist ein grundlegender Bau- und Finanzierungsbeschluss noch zu treffen.“
wird abgelehnt.

Abstimmungsergebnis:
24:22

In namentlicher Abstimmung:
dagegen: Adam, Dr. Behr, Dr. Bötsch, Buchberger, Dolata, Felgenhauer, Graf, Grünwedel, Hartenstein, Hofmann, Klünder, Potrawa, Roth, Scheller, Schloßareck, Schott, E. Schrenk, H. Schrenk, T. Schrenk, Schubert, Schuster, Weber, Weschta, Dr. Zeitler;
dafür: Albrecht, Dr. Bauer, Dürrnagel, Fabisch-Uthe, Feldinger, Friedl, Gerr, Jüstel, Kleinhans, Kolbow, La Rosa, Lehrieder, Loew, Miethaner-Vent, Pecoraro, Pfannes, Pilz, Samtleben, Schäfer-Blake, Schmitt, Stolz, Rosenthal.“

Das Gesamtpaket erfordert nach heutigem Stand Investitionen von 24 Mio für das Theater und 13 Mio. für die Frankenhalle, gesamt also 37 Mio. Es besteht das Risiko der Preissteigerung bei diesen Projekten, zumal die Architekten der Frankenhalle die gleichen sind wie beim Kulturspeicher.

Ein entscheidender Streitpunkt sind die Folgekosten der zweiten Spielstätte Frankenhalle. Ich behaupte, unter  € 3 Mio. jährlich ist das nicht möglich.

Die Verwaltung  hat einen  Beschluss des Stadtrats erwirkt.  Bei Actori GmbH, München, wurde ein  teures  Gutachten über die Folgekosten in Auftrag gegeben, das in einem Workshop am 27. April 2013 den anwesenden 19 Stadträten vorgestellt wurde. Am  16. Mai 2013 stand das Gutachten als „Bekanntgabe“ auf der Tagesordnung des Rats. Bekanntgabe bedeutet, die Verwaltung unterrichtet den Stadtrat, Diskussion hierzu findet lediglich auf Antrag statt, es erfolgt keine Abstimmung. Das Meinungsbild am 16. Mai 2013 war  deutlich, eine Mehrheit „2. Dauerhafte Spielstätte Frankenhalle“ hätte es in dieser Sitzung nicht gegeben. Bündnis 90/Grüne, SPD + wenige weitere Stimmen dafür, CSU, WL, FDP, Bürgerforum dagegen.

Das Gutachten ist im Internet einsehbar:

http://www.wuerzburg.sitzung-online.de/BI/\\_\\_\\_tmp/tmp/45081036553194006/553194006/00023419/19-Anlagen/01/Anlage1actori.pdf

Die jährlichen, zusätzlichen Folgekosten werden je nach Szenario auf einen Betrag von  € 135.000,-- bis € 553.00,-- beziffert.

Diese Aussage ist für mich nicht glaubwürdig, aus nachfolgenden Gründen:

Das Mainfrankentheater erhielt in der Spielzeit 2011/12 Zuschüsse der öffentlichen Hand in Höhe von € 13.178.000,-- (!). Darin enthalten sind ganze € 200.000,-- des Bezirks, obwohl die Mehrzahl der Besucher aus dem Umland kommt.  Im großen Haus finden jährlich etwa 200 Vorstellungen statt, 135 in der Kammer, sowie weitere 50 Vorstellungen an sonstigen Orten (Foyer, außerhalb).  Die eigenen Einnahmen betrugen € 1.808.000,-- = 12\\% des Etats. Der Besucher zahlt € 20,-- für eine Eintrittskarte, die öffentliche Förderung für seinen Sitzplatz beträgt € 166,--.

Eine Vorstellung im großen Haus wird mit mindestens € 50.000,-- gefördert:

€ 13.178.000,-- abzüglich angenommene € 3.178.000,- für Kammer und sonstige Vorstellungen, verbleiben 10 Mio. Diese € 10.000.000,-- geteilt durch 200 Vorstellungen = € 50.000,-- pro Vorstellung.

Und jetzt will uns das Gutachten weismachen, in der Frankenhalle könne man zusätzliche 70 Vorstellungen für € 381.000,-- (allerdings ohne Afa und Finanzierungsleistungen) spielen.  Ich stehe zu den oben genannten € 3 Mio. Folgekosten jährlich.

Der Stadtrat muss entscheiden welchen Stellenwert er dem Mainfrankentheater einräumt. Es stehen in den nächsten Jahren beträchtliche Ausgaben auf vielen Gebieten an: Straßenbahn, Nautiland, Landesgartenschau, Zeller Bock, Congresszentrum, Hubland. Der Zustand der Schulen und Straßen ist bekannt. Der Freistaat hat bedeutende Zuschüsse für das Mainfränkische Museum auf der Festung in Aussicht gestellt, die Stadt wird sich hieran beteiligen müssen.  

Vor 10 Jahren stand das Mainfrankentheater aus finanziellen Gründen vor der Schließung – jetzt soll alles möglich sein. Entscheidend ist was und wie gespielt wird. Das Publikum, insbesondere die Abonnenten, haben sich in den vergangenen Jahren vom Theater abgewandt. So betrugen die eigenen Einnahmen aus Kartenverkauf 2006/7 noch 2,8 Mio. in der Spielzeit 2011/12 nur noch die genannten 1,8 Mio., trotz mehrerer Preiserhöhungen. 

Ich spreche mich  für die ursprünglich angedachte maßvolle Sanierung aus. Der Stadtrat steht in der Gesamtverantwortung die zur Verfügung stehenden Mittel des städtischen Haushalts sinnvoll zu verwenden.

Karl Graf
Mitglied des Stadtrats
FDP-Fraktionsvorsitzender

Karl Graf
Würzburg, 3. August 2013

Sanierung des Mainfrankentheaters

Stellungnahme zur Sanierung des Theaters (offener Brief)

Einheitliche Meinung des Stadtrats und der Verwaltung ist, dass das Mainfrankentheater renoviert werden soll. Die energetische Bilanz der Glasfassade ist schlecht, Steinplatten der Außenfassade haben sich gelöst, der Kassenbereich erinnert an einen Postschalter der 50er Jahre, die Toiletten sind nicht heutiger Standard. Die Bestuhlung sei durchgesessen sagen manche – die Firma Kieser Training  wirbt in den Publikationen des Theaters mit dem Slogan: „Rückenschmerzen kommen nicht vom Theatersitz“.

Der Kulturreferent, Herr Al Ghusain begründet die umfassende Renovierung mit Erfordernissen des Brandschutzes. Ungeklärt ist hierbei ob Bestandschutz besteht, wenn baulich nichts verändert wird. Unabhängig  davon ist hat die Sicherheit der Besucher höchste Priorität, ein zweiter Fluchtweg  ist wünschenswert.

Wie steht es um die Bühnentechnik? Die Lichttechnik wurde vor einigen Jahren erneuert, sie entspricht den heutigen Standards, die Bühnentechnik ist meiner Meinung nach gut, mit vielen Möglichkeiten und Effekten, die Theaterleitung sagt die Hydraulik sei in sehr schlechtem Zustand.

Vor etwa 6 Jahren bezifferte eine Studie den Renovierungsbedarf auf € 6 -8 Mio. In der Diskussion ist  heute eine weit umfassendere Renovierung:  mit zweiter, gleich großer Probebühne, eine weitere sogenannte 2. Bühne für die Kammer, einen neuen Proberaum für das Orchester, ein Café im Foyer.  Kostenschätzung heute 24 Mio. für das Haus in der Theaterstraße. Im Laufe der Jahre wurde alles nur denkbar Wünschenswerte in die Planung aufgenommen.

Diese Renovierung erfordert 2 Jahre Bauzeit, sagt die Verwaltung. Renovierung ist bei laufendem Betrieb nicht möglich, deshalb ist eine Ausweichspielstätte erforderlich, die Frankenhalle. Und wenn schon eine Ausweichspielstätte eingerichtet wird, dann hätten der Oberbürgermeister und  Herr Al Ghusain gerne künftig eine dauerhafte zweite Spielstätte.

Es wird dem Stadtrat vorgeworfen er treffe keine klaren Entscheidungen, seit vielen Jahren werde um die  Frankenhalle debattiert, jetzt seien wir wieder auf dem Nullpunkt. In der Berichterstattung  ging unter, dass der Stadtrat am 1. Dez. 2011, mit 24:22 Stimmen eine künftige zweite Spielstätte Frankenhalle abgelehnt hat.  Dennoch hält die Verwaltung weiterhin an dem Vorhaben fest und ist nicht bereit aufgezeigte Alternativen (Musikhochschule, Saal in der Bibraschule, weitere Aulen in den Schulen, Kirchen, Theater im Konversionsgelände Hubland) in Erwägung zu ziehen.

Auszug aus dem Stadtratsprotokoll der Sitzung vom 1. Dez. 2012:

Beschluss: -in Abänderung-
Der Punkt 4. „Die Sanierung der Frankenhalle/Viehauktionshalle als Übergangsspielstätte und zukünftige zweite Spielstätte des Mainfranken Theaters wird unter der Maßgabe weiterverfolgt, dass die Gesamtkosten der Sanierung 10,0 Mio. Euro nicht überschreiten und dazu ist ein grundlegender Bau- und Finanzierungsbeschluss noch zu treffen.“
wird abgelehnt.

Abstimmungsergebnis:
24:22

In namentlicher Abstimmung:
dagegen: Adam, Dr. Behr, Dr. Bötsch, Buchberger, Dolata, Felgenhauer, Graf, Grünwedel, Hartenstein, Hofmann, Klünder, Potrawa, Roth, Scheller, Schloßareck, Schott, E. Schrenk, H. Schrenk, T. Schrenk, Schubert, Schuster, Weber, Weschta, Dr. Zeitler;
dafür: Albrecht, Dr. Bauer, Dürrnagel, Fabisch-Uthe, Feldinger, Friedl, Gerr, Jüstel, Kleinhans, Kolbow, La Rosa, Lehrieder, Loew, Miethaner-Vent, Pecoraro, Pfannes, Pilz, Samtleben, Schäfer-Blake, Schmitt, Stolz, Rosenthal.“

Das Gesamtpaket erfordert nach heutigem Stand Investitionen von 24 Mio für das Theater und 13 Mio. für die Frankenhalle, gesamt also 37 Mio. Es besteht das Risiko der Preissteigerung bei diesen Projekten, zumal die Architekten der Frankenhalle die gleichen sind wie beim Kulturspeicher.

Ein entscheidender Streitpunkt sind die Folgekosten der zweiten Spielstätte Frankenhalle. Ich behaupte, unter  € 3 Mio. jährlich ist das nicht möglich.

Die Verwaltung  hat einen  Beschluss des Stadtrats erwirkt.  Bei Actori GmbH, München, wurde ein  teures  Gutachten über die Folgekosten in Auftrag gegeben, das in einem Workshop am 27. April 2013 den anwesenden 19 Stadträten vorgestellt wurde. Am  16. Mai 2013 stand das Gutachten als „Bekanntgabe“ auf der Tagesordnung des Rats. Bekanntgabe bedeutet, die Verwaltung unterrichtet den Stadtrat, Diskussion hierzu findet lediglich auf Antrag statt, es erfolgt keine Abstimmung. Das Meinungsbild am 16. Mai 2013 war  deutlich, eine Mehrheit „2. Dauerhafte Spielstätte Frankenhalle“ hätte es in dieser Sitzung nicht gegeben. Bündnis 90/Grüne, SPD + wenige weitere Stimmen dafür, CSU, WL, FDP, Bürgerforum dagegen.

Das Gutachten ist im Internet einsehbar:

http://www.wuerzburg.sitzung-online.de/BI/\\_\\_\\_tmp/tmp/45081036553194006/553194006/00023419/19-Anlagen/01/Anlage1actori.pdf

Die jährlichen, zusätzlichen Folgekosten werden je nach Szenario auf einen Betrag von  € 135.000,-- bis € 553.00,-- beziffert.

Diese Aussage ist für mich nicht glaubwürdig, aus nachfolgenden Gründen:

Das Mainfrankentheater erhielt in der Spielzeit 2011/12 Zuschüsse der öffentlichen Hand in Höhe von € 13.178.000,-- (!). Darin enthalten sind ganze € 200.000,-- des Bezirks, obwohl die Mehrzahl der Besucher aus dem Umland kommt.  Im großen Haus finden jährlich etwa 200 Vorstellungen statt, 135 in der Kammer, sowie weitere 50 Vorstellungen an sonstigen Orten (Foyer, außerhalb).  Die eigenen Einnahmen betrugen € 1.808.000,-- = 12\\% des Etats. Der Besucher zahlt € 20,-- für eine Eintrittskarte, die öffentliche Förderung für seinen Sitzplatz beträgt € 166,--.

Eine Vorstellung im großen Haus wird mit mindestens € 50.000,-- gefördert:

€ 13.178.000,-- abzüglich angenommene € 3.178.000,- für Kammer und sonstige Vorstellungen, verbleiben 10 Mio. Diese € 10.000.000,-- geteilt durch 200 Vorstellungen = € 50.000,-- pro Vorstellung.

Und jetzt will uns das Gutachten weismachen, in der Frankenhalle könne man zusätzliche 70 Vorstellungen für € 381.000,-- (allerdings ohne Afa und Finanzierungsleistungen) spielen.  Ich stehe zu den oben genannten € 3 Mio. Folgekosten jährlich.

Der Stadtrat muss entscheiden welchen Stellenwert er dem Mainfrankentheater einräumt. Es stehen in den nächsten Jahren beträchtliche Ausgaben auf vielen Gebieten an: Straßenbahn, Nautiland, Landesgartenschau, Zeller Bock, Congresszentrum, Hubland. Der Zustand der Schulen und Straßen ist bekannt. Der Freistaat hat bedeutende Zuschüsse für das Mainfränkische Museum auf der Festung in Aussicht gestellt, die Stadt wird sich hieran beteiligen müssen.  

Vor 10 Jahren stand das Mainfrankentheater aus finanziellen Gründen vor der Schließung – jetzt soll alles möglich sein. Entscheidend ist was und wie gespielt wird. Das Publikum, insbesondere die Abonnenten, haben sich in den vergangenen Jahren vom Theater abgewandt. So betrugen die eigenen Einnahmen aus Kartenverkauf 2006/7 noch 2,8 Mio. in der Spielzeit 2011/12 nur noch die genannten 1,8 Mio., trotz mehrerer Preiserhöhungen. 

Ich spreche mich  für die ursprünglich angedachte maßvolle Sanierung aus. Der Stadtrat steht in der Gesamtverantwortung die zur Verfügung stehenden Mittel des städtischen Haushalts sinnvoll zu verwenden.

Karl Graf
Mitglied des Stadtrats
FDP-Fraktionsvorsitzender

Karl Graf
Würzburg, 3. August 2013

Sanierung des Mainfrankentheaters

Stellungnahme zur Sanierung des Theaters (offener Brief)

Einheitliche Meinung des Stadtrats und der Verwaltung ist, dass das Mainfrankentheater renoviert werden soll. Die energetische Bilanz der Glasfassade ist schlecht, Steinplatten der Außenfassade haben sich gelöst, der Kassenbereich erinnert an einen Postschalter der 50er Jahre, die Toiletten sind nicht heutiger Standard. Die Bestuhlung sei durchgesessen sagen manche – die Firma Kieser Training  wirbt in den Publikationen des Theaters mit dem Slogan: „Rückenschmerzen kommen nicht vom Theatersitz“.

Der Kulturreferent, Herr Al Ghusain begründet die umfassende Renovierung mit Erfordernissen des Brandschutzes. Ungeklärt ist hierbei ob Bestandschutz besteht, wenn baulich nichts verändert wird. Unabhängig  davon ist hat die Sicherheit der Besucher höchste Priorität, ein zweiter Fluchtweg  ist wünschenswert.

Wie steht es um die Bühnentechnik? Die Lichttechnik wurde vor einigen Jahren erneuert, sie entspricht den heutigen Standards, die Bühnentechnik ist meiner Meinung nach gut, mit vielen Möglichkeiten und Effekten, die Theaterleitung sagt die Hydraulik sei in sehr schlechtem Zustand.

Vor etwa 6 Jahren bezifferte eine Studie den Renovierungsbedarf auf € 6 -8 Mio. In der Diskussion ist  heute eine weit umfassendere Renovierung:  mit zweiter, gleich großer Probebühne, eine weitere sogenannte 2. Bühne für die Kammer, einen neuen Proberaum für das Orchester, ein Café im Foyer.  Kostenschätzung heute 24 Mio. für das Haus in der Theaterstraße. Im Laufe der Jahre wurde alles nur denkbar Wünschenswerte in die Planung aufgenommen.

Diese Renovierung erfordert 2 Jahre Bauzeit, sagt die Verwaltung. Renovierung ist bei laufendem Betrieb nicht möglich, deshalb ist eine Ausweichspielstätte erforderlich, die Frankenhalle. Und wenn schon eine Ausweichspielstätte eingerichtet wird, dann hätten der Oberbürgermeister und  Herr Al Ghusain gerne künftig eine dauerhafte zweite Spielstätte.

Es wird dem Stadtrat vorgeworfen er treffe keine klaren Entscheidungen, seit vielen Jahren werde um die  Frankenhalle debattiert, jetzt seien wir wieder auf dem Nullpunkt. In der Berichterstattung  ging unter, dass der Stadtrat am 1. Dez. 2011, mit 24:22 Stimmen eine künftige zweite Spielstätte Frankenhalle abgelehnt hat.  Dennoch hält die Verwaltung weiterhin an dem Vorhaben fest und ist nicht bereit aufgezeigte Alternativen (Musikhochschule, Saal in der Bibraschule, weitere Aulen in den Schulen, Kirchen, Theater im Konversionsgelände Hubland) in Erwägung zu ziehen.

Auszug aus dem Stadtratsprotokoll der Sitzung vom 1. Dez. 2012:

Beschluss: -in Abänderung-
Der Punkt 4. „Die Sanierung der Frankenhalle/Viehauktionshalle als Übergangsspielstätte und zukünftige zweite Spielstätte des Mainfranken Theaters wird unter der Maßgabe weiterverfolgt, dass die Gesamtkosten der Sanierung 10,0 Mio. Euro nicht überschreiten und dazu ist ein grundlegender Bau- und Finanzierungsbeschluss noch zu treffen.“
wird abgelehnt.

Abstimmungsergebnis:
24:22

In namentlicher Abstimmung:
dagegen: Adam, Dr. Behr, Dr. Bötsch, Buchberger, Dolata, Felgenhauer, Graf, Grünwedel, Hartenstein, Hofmann, Klünder, Potrawa, Roth, Scheller, Schloßareck, Schott, E. Schrenk, H. Schrenk, T. Schrenk, Schubert, Schuster, Weber, Weschta, Dr. Zeitler;
dafür: Albrecht, Dr. Bauer, Dürrnagel, Fabisch-Uthe, Feldinger, Friedl, Gerr, Jüstel, Kleinhans, Kolbow, La Rosa, Lehrieder, Loew, Miethaner-Vent, Pecoraro, Pfannes, Pilz, Samtleben, Schäfer-Blake, Schmitt, Stolz, Rosenthal.“

Das Gesamtpaket erfordert nach heutigem Stand Investitionen von 24 Mio für das Theater und 13 Mio. für die Frankenhalle, gesamt also 37 Mio. Es besteht das Risiko der Preissteigerung bei diesen Projekten, zumal die Architekten der Frankenhalle die gleichen sind wie beim Kulturspeicher.

Ein entscheidender Streitpunkt sind die Folgekosten der zweiten Spielstätte Frankenhalle. Ich behaupte, unter  € 3 Mio. jährlich ist das nicht möglich.

Die Verwaltung  hat einen  Beschluss des Stadtrats erwirkt.  Bei Actori GmbH, München, wurde ein  teures  Gutachten über die Folgekosten in Auftrag gegeben, das in einem Workshop am 27. April 2013 den anwesenden 19 Stadträten vorgestellt wurde. Am  16. Mai 2013 stand das Gutachten als „Bekanntgabe“ auf der Tagesordnung des Rats. Bekanntgabe bedeutet, die Verwaltung unterrichtet den Stadtrat, Diskussion hierzu findet lediglich auf Antrag statt, es erfolgt keine Abstimmung. Das Meinungsbild am 16. Mai 2013 war  deutlich, eine Mehrheit „2. Dauerhafte Spielstätte Frankenhalle“ hätte es in dieser Sitzung nicht gegeben. Bündnis 90/Grüne, SPD + wenige weitere Stimmen dafür, CSU, WL, FDP, Bürgerforum dagegen.

Das Gutachten ist im Internet einsehbar:

http://www.wuerzburg.sitzung-online.de/BI/\\_\\_\\_tmp/tmp/45081036553194006/553194006/00023419/19-Anlagen/01/Anlage1actori.pdf

Die jährlichen, zusätzlichen Folgekosten werden je nach Szenario auf einen Betrag von  € 135.000,-- bis € 553.00,-- beziffert.

Diese Aussage ist für mich nicht glaubwürdig, aus nachfolgenden Gründen:

Das Mainfrankentheater erhielt in der Spielzeit 2011/12 Zuschüsse der öffentlichen Hand in Höhe von € 13.178.000,-- (!). Darin enthalten sind ganze € 200.000,-- des Bezirks, obwohl die Mehrzahl der Besucher aus dem Umland kommt.  Im großen Haus finden jährlich etwa 200 Vorstellungen statt, 135 in der Kammer, sowie weitere 50 Vorstellungen an sonstigen Orten (Foyer, außerhalb).  Die eigenen Einnahmen betrugen € 1.808.000,-- = 12\\% des Etats. Der Besucher zahlt € 20,-- für eine Eintrittskarte, die öffentliche Förderung für seinen Sitzplatz beträgt € 166,--.

Eine Vorstellung im großen Haus wird mit mindestens € 50.000,-- gefördert:

€ 13.178.000,-- abzüglich angenommene € 3.178.000,- für Kammer und sonstige Vorstellungen, verbleiben 10 Mio. Diese € 10.000.000,-- geteilt durch 200 Vorstellungen = € 50.000,-- pro Vorstellung.

Und jetzt will uns das Gutachten weismachen, in der Frankenhalle könne man zusätzliche 70 Vorstellungen für € 381.000,-- (allerdings ohne Afa und Finanzierungsleistungen) spielen.  Ich stehe zu den oben genannten € 3 Mio. Folgekosten jährlich.

Der Stadtrat muss entscheiden welchen Stellenwert er dem Mainfrankentheater einräumt. Es stehen in den nächsten Jahren beträchtliche Ausgaben auf vielen Gebieten an: Straßenbahn, Nautiland, Landesgartenschau, Zeller Bock, Congresszentrum, Hubland. Der Zustand der Schulen und Straßen ist bekannt. Der Freistaat hat bedeutende Zuschüsse für das Mainfränkische Museum auf der Festung in Aussicht gestellt, die Stadt wird sich hieran beteiligen müssen.  

Vor 10 Jahren stand das Mainfrankentheater aus finanziellen Gründen vor der Schließung – jetzt soll alles möglich sein. Entscheidend ist was und wie gespielt wird. Das Publikum, insbesondere die Abonnenten, haben sich in den vergangenen Jahren vom Theater abgewandt. So betrugen die eigenen Einnahmen aus Kartenverkauf 2006/7 noch 2,8 Mio. in der Spielzeit 2011/12 nur noch die genannten 1,8 Mio., trotz mehrerer Preiserhöhungen. 

Ich spreche mich  für die ursprünglich angedachte maßvolle Sanierung aus. Der Stadtrat steht in der Gesamtverantwortung die zur Verfügung stehenden Mittel des städtischen Haushalts sinnvoll zu verwenden.

Karl Graf
Mitglied des Stadtrats
FDP-Fraktionsvorsitzender