Leserbrief an die Main Post
Würzburg, 9. Oktober 2013

Georg Rosenthal

Leserbrief an die Mainpost

Georg Rosenthal wurde 2008, im zweiten Wahlgang, für viele überraschend, mit 52,5\% zum Oberbürgermeister gewählt. Pia Beckmann erzielte im ersten Wahlgang 41,3\% der Stimmen. Ihre Wiederwahl war in greifbare Nähe gerückt, Rosenthal erreichte lediglich 24,7\%. Im zweiten Wahlgang gingen 10.000 Bürger weniger zur Wahl, wohl auch solche die glaubten die Wiederwahl Beckmanns sei jetzt Formsache, und Würzburg hatte wieder einen Oberbürgermeister der SPD.

Bereits am Start war Rosenthal gefordert: Mit hohem persönlichen Einsatz erreichte im Bürgerentscheid eine Zustimmung zum Bau der FH am Sanderheinrichsleitenweg. Dieses Engagement hat sicher die Bereitschaft der Staatsregierung gefördert, die Universität auf dem Gelände Hubland – Nord beträchtlich zu erweitern.

Es ging dann weiter Schlag auf Schlag: Bewerbung für die Landesgartenschau 2017 und Zuschlag für 2018. Planung der Straßenbahn Linie 6 zum Hubland, Beschlüsse zur Sanierung des Bades Nautiland.

Was bei Beckmann oft bemängelt wurde, die öffentliche Präsenz, erfüllte Rosenthal vorbildlich. Er war auf „jeder“ Veranstaltung und jedem Event. Daneben erledigte er die Verwaltungsarbeit scheinbar mit Leichtigkeit. Sein Arbeitspensum war enorm, oft in den späten Abend- und Nachtstunden. Ihm nahe Stehende sagten,  es sei beeindruckend  „welche Kraft er aus dem Amt schöpfe“.

Es folgte in seiner Amtszeit der Erwerb des Hublands, die Aufnahme der Bauarbeiten am Zeller Bock und die Fertigstellung des Hotelturms.

Rosenthal hat die Erinnerungskultur in Würzburg erneuert, seine jüdischen Wurzeln kamen ihm hierbei entgegen. Zuletzt verschaffte er der Stadt mit der Ehrung von W. M. Blumenthal Anerkennung und Beachtung. Die Städtepartnerschaften hat er belebt und gefördert.

Unbeliebt machte sich Rosenthal mit Starrsinn und Besserwisserei. Es gab Termine in denen er Besuchern „die Welt erklärte“ und ihnen dann, ohne dass diese ihr Anliegen vorbringen konnten, sagte, die Zeit sei jetzt um.

Ein anderes Beispiel seiner Sturheit sind die Holzfenster im 4. Stock der Firma Severin, ein gegenteiliger Beschluss des Bau- und Ordnungsausschusses verhinderte dies.

Schlussendlich wurde mehr und mehr offensichtlich, dass die vielen begonnenen Planung finanziell nicht zu erfüllen sind. Auch hier war Rosenthal unbelehrbar. Trotz abgelehnter Beschlüsse (1.12.2011) hielt er an einer zweiten Spielstätte für das Mainfrankentheater fest, und traktierte den Stadtrat in Marathonsitzungen mit niedrigschwelligen Beschlüssen auf dem von ihm für richtig erachteten Weg.  Eine beträchtlich steigende Neuverschuldung hätte er in Kauf genommen. Er begründete dies mit dem (durch das niedrige Zinsniveau) formal richtigen Argument, dass die Zinslast der Stadt gesunken sei.  In der Planung waren dann gleichzeitig u. a. Hubland, Straßenbahn, Nautiland, Eichhornstraße, Kaiserstraße, Mainfrankentheater, Frankenhalle und Bahnhof. Die Ausgaben für Planungs- und Gutachterkosten waren hoch.

Zusammenfassend: Rosenthal war kein schlechter Oberbürgermeister.  Seine Planungen waren zum Teil auf Grund der finanziellen Möglichkeiten unrealistisch. Viele Sympathien hat er sich durch sein oberlehrerhaftes Verhalten und seine Besserwisserei verscherzt.

Er ist ein politischer Mensch, es ist gut dass er ein Landtagsmandat erreicht hat, von 200 auf 0\% hätte ihm persönlich nicht gut getan. Ich wünsche ihm jedoch aus ganzen Herzen, dass auf einer hinteren Bank des Landtags die Qualen der Opposition am eigenen Leib verspürt.

Karl Graf